| DAS WUNDER VON BERN

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DIE BEDEUTUNG DES SIEGES


"Wir sind wieder wer!"

[Auszug aus "Sepp Herberger und das Wunder von Bern"]

Ganz Deutschland war wie umgewandelt. Überall lagen sich wildfremde Menschen auf offener Straße weinend in den Armen. Aus den weit aufgerissenen Fenstern wurden Bettlaken enthusiastisch geschwenkt. Wie Siegesfahnen wehten sie im Wind. Ein ungeahnter Triumphzug durch ganz Deutschland begann. In allen Städten wurden die Spieler gefeiert, beklatscht, bejubelt, so, wie es heute nur die wirklich großen Stars erleben.

Begrüßungskomitee
Ob begeisterter Fan oder Fußballlaie, alle waren gekommen, versammelten sich auf Brücken, Feldern oder Straßen, um den Sonderzug zu sehen, aus dem die frisch gebackenen Weltmeister ihnen teilweise noch immer fassungslos zuwinkten. Jahrzehnte später sollten sich einige Spieler noch immer genau an diesem Tag gegenseitig Erinnerungskarten schicken.

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Herberger in einem TV-Interview über die Zugfahrt von Bern nach München: "Wir bekamen schon da [an der Schweizer Grenze] einen Begriff von all dem, was uns in Deutschland erwartete. Und dann fing die Fahrt an - ein einziger Triumphzug - auf allen Stationen, überhaupt auf dem ganzen Weg bis nach München - ein ununterbrochenes Spalier glücklicher, fröhlicher, begeisterter Menschen."

 

Vor dem Finale: Buhrufe und Glückwünsche

Dieser Siegeszug scheint unvorstellbar, bedenkt man, was noch während der WM geschah. Erboste Zuschriften erhielt der Bundestrainer nach der 3:8 Niederlage gegen Ungarn, als Herberger in der Vorrunde beschloss, nur die Zweitbesetzung antreten zu lassen und damit eine Niederlage in Kauf nahm:

"Es wird jetzt höchste Zeit, dass Sie verschwinden. Was Sie gestern den Anhängern des Fußballsports vorgesetzt haben, war unter aller Kritik. Ein Glück, dass Sie sich gestern, unmittelbar nach dem Spiel nirgends blicken ließen, sonst hätten Ihre Nächsten heute Gelegenheit, Sie ausstopfen zu lassen. [...] Den Fußballanhängern können Sie keinen größeren Gefallen tun, als sofort zu verschwinden, denn Sie haben mit Ihrer Handlungsweise das Ansehen des deutschen Fußballsports auch im Ausland aufs Schwerste geschädigt. Wenn Ungarn mit der 1. Garnitur sogar gegen Südkorea antritt, und das Risiko von Verletzungen und Erschöpfungen auf sich nimmt, dann hätte jeder Idiot nach diesem Beispiel gewusst, dass er nur mit der 1. Garnitur antreten kann. [...] Wenn der Trainer einer Nationalmannschaft nicht weiß, was er in solchen Fällen dem Sportpublikum vorzusetzen hat, dann soll er sich besser einen Strick kaufen und sich am nächsten Baum aufhängen, aber möglichst so, dass der Strick nicht zerreißt, damit man diesen hinterher noch verwerten kann."

Nach dem Sieg über Österreich im Halbfinale schickte derselbe Schreiber jedoch einen weiteren Brief: "[...] Jetzt habe ich aber doch gesehen, dass Sie mit Ihrer Einstellung Recht hatten und ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Haltung und Ihrer Mannschaft. Jenen Brief schrieb ich Ihnen in der größten Verbitterung, weil ich Bekannte aus Hamburg eingeladen hatte, die zu dem Spiel hierher gereist sind und von denen ich die bittersten Vorwürfe einstecken musste. [...] Was wäre es erst für ein Glück, wenn unsere Nationalelf Weltmeister würde! Die Vorwürfe nehme ich also mit Bedauern zurück und gratuliere Ihnen und der ganzen Mannschaft zu den bisherigen großen Erfolgen. Hochachtungsvoll..."

Diese und ähnliche Reaktionen erhielt Herberger zuhauf. Zuschauer, die ihn verteufelten, entschuldigten sich später wieder.

Herberger dazu in einem TV-Interview, auf die Frage, ob er in solchen Momenten nicht auch Unterstützung und Zuspruch brauchte:


Herberger und seine Frau Ev
"Na, Zuspruch habe ich auch gebraucht. Solche Angriffe blieben ja nicht in den Kleidern stecken. Und da habe ich die besten Helfer und die besten Freunde immer in den Spielern unserer Nationalmannschaft gehabt. Wir waren eine feine Familie. Wir hielten zusammen. Viele glaubten an mich und standen auch immer an meiner Seite [...] Und dann hatte ich natürlich noch einen guten Kameraden, auf den in allen Lagen und zu allen Zeiten Verlass war - meine Frau."

 

Die Gründung der "Berner Republik"

Es war nicht nur das erste Mal, dass Deutschland Fußball-Weltmeister wurde. Vor allen Dingen verhalf er der deutschen Nation damit zu neuem Selbstbewußtsein, auch wenn das Ausland das Gebaren der begeisterten Menschenmassen zunächst skeptisch beäugte. Zu gut erinnerten sich alle noch an die ausgestreckten Arme einer im Gleichschritt marschierenden braunen Masse.

Jürgen Leinemann resümiert für den Spiegel in einer Spezialausgabe 2006: "Wenn je ein Ruck durchs Land gegangen ist, dann an diesem Sonntag. Denn darüber gab es seit dem Schlusspfiff des britischen Schiedsrichters William Ling landauf, landab keinen Zweifel, dass Gewaltiges, ja Historisches geschehen war mit dem Fußballsieg über die seit 32 Länderspielen ungeschlagenen Ungarn um den Major Ferenc Puskás, die unbestritten als die weltweit besten Kicker galten. Die Deutschen - in ihrem Selbstverständnis keineswegs schon auferstanden aus den Ruinen des von ihnen angezettelten Zweiten Weltkriegs - waren plötzlich wieder wer, wie die meistbenutzte Formel hieß. Wer auch immer und was auch immer - auf jeden Fall mehr als nur Fußballweltmeister."
Feier nach dem Sieg

Vielfach wurde dem Sieg auch die eigentliche Geburtsstunde der Bundesrepublik zugeschrieben, von der "Berner Republik" war die Rede und Sepp Herberger avancierte zum Gründervater.

"Der vielbeschworene "Geist von Spiez" hatte Symbolcharakter für die Deutschen, die nun nach den ersten Jahren des Wiederaufbaus das Wirtschaftswunder anpackten. Es war nicht politischer Wille, der die Bundesrepublik gebar. Es war das Spiel mit dem runden Ball, das die Bundesrepublik als "Fußballnation" konstituierte [...] Der Sieg von Bern war der sportliche Erfolg einer Generation, die Schelsky die skeptische genannt hat. Sie sollte das Leben der Bundesrepublik in nahezu allen Bereichen bestimmen. In einigen Kommentaren war Fußball aber auch Krieg mit anderen Mitteln, und da hatten die Deutschen endlich einen Krieg gewonnen. Zwiespältige Gefühle begleiteten die Gründung der "Berner Republik", die der Spiegel mit den Worten kommentierte: "Deutschland erhob sich, und Europa erbebte, weil Josef Herberger, ein gemütlicher kleiner Mannheimer mit verwittertem Bergbauern-Gesicht, die von ihm trainierte deutsche Mannschaft zum größten Triumph der deutschen Sportgeschichte geführt hatte." Das verwitterte Bergbauern-Gesicht durfte denn auch vom Titelbild der Ausgabe den Lesern entgegenblicken." [aus: "Als der Ball noch rund war", Lothar Mikos, Harry Nutt, Ullstein]

Ein Studienrat schrieb nach dem Finale an Herberger: "In diesem Augenblick wurde mir eigentlich erst richtig bewusst, dass Sie mit Ihrer Arbeit tatsächlich mehr für das Ansehen Deutschlands getan haben, als es mit vielen gönnerhaft überreichten Entwicklungshilfeschecks geschehen konnte: Das Ansehen eines Volkes wird geprägt durch die bewunderte Leistung von Persönlichkeiten, die es repräsentieren."

Der Sieg hallt noch lange nach. Es sollten noch einige Teilnahmen einer deutschen Mannschaft an einer Weltmeisterschaft folgen und noch zweimal sollte der Gewinnerpokal nach Deutschland gehen, aber der Sieg der Mannschaft am 04. Juli 1954 bleibt bis heute unvergessen.

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