| DIE WELTMEISTERSCHAFT

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DIE WELTMEISTERSCHAFT: 16. JUNI — 04. JULI 1954


Die Ausgangslage — Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs:

Am 08. Mai 1945 endete nach bedingungsloser Kapitulation Deutschlands der Zweite Weltkrieg und mit ihm die Schreckensherrschaft der Nazi-Diktatur mit all ihren Greueltaten. Der Alliierte Kontrollrat beschloss als höchste Regierungsgewalt in Deutschland die sofortige Auflösung aller nationalsozialistischen Organisationen, darunter auch der NSRL (Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen) mit dem ihm angeschlossenen DFB und seiner Landesverbände. Alle Vereine, die im NSRL zusammengeschlossen waren, wurden ebenfalls aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt. Am 21. Januar 1950 wurde der DFB wiedergegründet.

Erst nach neun Jahren des Ausschlusses aus der FIFA war es Deutschland 1954 wieder möglich, an einer Fußball Weltmeisterschaft teilzunehmen.

 

Neuerungen:

Einige Neuerungen begleiteten das Turnier wie zum Beispiel das verbindliche Tragen von Rückennummern. Aber auch der Austragungsmodus war neu. So traten vier Gruppen mit je vier Mannschaften gegeneinander an, bei denen jeweils zwei als "gesetzt" galten und zwei als "ungesetzt".  Die "Gesetzten" brauchten nicht gegeneinander anzutreten. So wollte man gewährleisten, dass die favorisierten Mannschaften nicht vorzeitig gegeneinander spielten. Ein frühes Ausscheiden der Favoriten hätte Zuschauereinbußen zur Folge gehabt, was man vermeiden wollte.
Die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe qualifizierten sich für das Weiterkommen. Bei Punktgleichheit entschied ein Entscheidungsspiel.

 

Die Schweiz als Gastgeber:

Skeptisch betrachtete die FIFA die Bewerbung der Schweiz, die sich schon 1950 um die Weltmeisterschaft als Austragungsort bemühte. Zu klein seien sowohl Land als auch Fußballstadien. Und obwohl die Schweiz auf ihre Neutralität im Krieg und den Hauptsitz der FIFA und damit ihre bedeutende Rolle im Weltfußball verwies, erhielt sie nach langen Debatten erst für 1954 den Zuschlag.


WM Pokal

Die Austragungsorte:

Basel - St. Jakob Stadion (ca. 55 000 Zuschauerplätze)
Bern - Wankdorfstadion (ca. 64 000)
Genf - Stade de Charmille (ca. 36 000)
Lausanne - Stade Olympique de la Pontaise (ca. 50 000)
Lugano - Stadio Cornaredo (ca. 36 000)
Zürich - Hardturmstadion (ca. 35 000)

 

Das Wankdorfstadion:

Mit 56 000 Steh- und 8 000 Sitzplätzen war das extra für die Fußball WM 1954 für vier Millionen Schweizer Franken umgebaute und erweiterte Wankdorfstadion das größte der Schweiz.
Die Einweihung des Stadions fand am Pfingstmontag 1954 durch ein Spiel der BSC Young Boys und der legendären ungarischen Nationalelf statt, die auch im Endspiel gegen Deutschland antrat.
Im Wankdorfstadion fanden drei Vorrundenbegegnungen, ein Viertelfinale und das Endspiel statt.


Das Wankdorfstadion

 

Die Gruppeneinteilung:

Gruppe 1
Gruppe 2
Gruppe 3
Gruppe 4
Brasilien - gesetzt Ungarn - gesetzt Uruguay - gesetzt England - gesetzt
Frankreich - gesetzt Türkei - gesetzt Österreich - gesetzt Italien - gesetzt
Jugoslawien Deutschland Schottland Schweiz
Mexiko Südkorea Tschechoslowakei Belgien

 

Herbergers Taktik:

"Wir müssen unser erstes Spiel gewinnen. Wir treffen hierbei auf die Türkei. Sie ist ein schwer zu schlagender Gegner. Wir sind aber zuversichtlich. Unsere Mannschaft kennt ihren Gegner und weiß, wie ihm beizukommen ist. Die nachfolgende Planung geht von einem Sieg unserer Mannschaft über die Türkei aus. Die Situation ist dabei folgende: Das Wiederholungsspiel gegen die Türkei ist uns gesichert. Wir sind also auch bei einer Niederlage gegen die Ungarn noch im Wettbewerb. Ich sehe in diesem zweiten Spiel gegen die Türkei eine größere Gewinnchance für uns, als in unserem Spiel gegen Ungarn.


Der Stratege Herberger
Ausgehend von dieser Annahme, müsste dieses zweite Spiel gegen die Türkei eine vorrangige Bedeutung gegenüber dem Spiel gegen Ungarn bekommen. Das Hauptaugenmerk wäre dabei darauf gerichtet für dieses zweite Spiel gegen die Türkei unsere beste Mannschaft, und diese ausgeruht und kampfstark, an den Start zu bringen."

 

Und so spielte Gruppe 2:

Ungarn Südkorea
9:0 (4:0)
Türkei Deutschland
1:4 (1:1)
Türkei Südkorea
7:0 (4:0)
Ungarn Deutschland
8:3 (3:1)

 

Entscheidungsspiel 23.06.1954, Zürich:

Türkei - Deutschland: 2:7 (1:3)

 

Die Spielergebnisse:

Gruppe 1 / Punkte
Gruppe 2 / Punkte
Gruppe 3 / Punkte
Gruppe 4 / Punkte
Jugoslawien
3:1
Ungarn
4:0
Österreich
4:0
England
3:1
Brasilien
3:1
Deutschland
2:2
Uruguay
4:0
Schweiz
2:2
Frankreich
2:2
Türkei
2:2
Tschechoslowakei
0:4
Italien
2:2
Mexiko
0:4
Südkorea
0:4
Schottland
0:4
Belgien
1:3

 

Das Viertelfinale:

Das bis heute torreichste Spiel der WM-Geschichte war das Spiel Österreich gegen die Schweiz, das zunächst mit einem Vorsprung von 3:0 für die Schweiz begann, aber schon wenige Minuten später ausgeglichen werden konnte. Zur Halbzeit stand es bereits 5:3 für Österreich. Die Begegnung Ungarn gegen Brasilien sollte als "Kampf von Bern" in die Geschichte eingehen. Drei Platzverweise und anschließende Prügeleien in der Kabine zeugten von der übermäßigen Härte der Partie. Deutschland hingegen konnte bereits nach neun Minuten durch ein Eigentor der Jugoslawen in Führung gehen. Das zweite Tor schoss Helmut Rahn in der 85. Minute.

 

Die Ergebnisse:

Österreich Schweiz
7:5 (5:4)
England Uruguay
2:4 (1:2)
Jugoslawien Deutschland
0:2 (0:1)
Ungarn Brasilien
4:2 (2:1)

 

Das Halbfinale am 30.06.1954:

Österreich war Favorit der Partie gegen Deutschland, doch in der 33. Minute fiel das 1:0 durch Schäfer. Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit schoss Morlock das 2:0. Fünf Minuten später verkürzte der Österreicher Probst auf 1:2. Die beiden Walter-Brüder erledigten den Rest und schossen je zwei Tore. Deutschland war im Finale! In einem harten Kampf kickte Ungarn den amtierenden Weltmeister Uruguay mit 4:2 in der Verlängerung aus dem Turnier.

Deutschland Österreich
6:1
Ungarn Uruguay
4:2 n.V.

 

Spiel um Platz 3, am 03.07.1954 Zürich:

Österreich - Uruguay: 3:1

Das Finale:

"Deutschland im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft - das ist eine Riesen- Sensation - das ist ein echtes Fußball-Wunder...", eröffnete Reporter Herbert Zimmermann seine Radioreportage vom Endspiel, "...es ist kein schöner, ein regnerischer Tag. Auf den Tribünen verzieren Regenschirme und Zeitungen die Häupter der Zuschauer."

Doch die deutschen Schlachtenbummler störte dies kaum: "Fritz- Walter- Wetter" bedeutete der Regen, denn Fritz Walter konnte seit seiner Malaria-Erkrankung während des Krieges keine Hitze mehr vertragen und liebte es, wenn es feucht und kühl draußen war. Dann konnte er zu wahrer Höchstform auflaufen. Obwohl der Tag des Endspiels mit strahlendem Sonnenschein begann, öffnete der Himmel kurz vor dem entscheidenden Spiel seine Schleusen.

Die Vorzeichen standen schlecht. 3:8 gegen Ungarn spielte die deutsche Mannschaft in der Vorrunde (mit diesem Ergebnis konnte sich auch Herberger, der ja schon die Niederlage einkalkuliert hatte, nicht abfinden) und zu allem Übel hatte der Trainer vor Spielbeginn, nachdem er den Rasen im Wankdorf-Stadion besichtigte, auch noch einen Autounfall. Somit stand für die meisten Reporter fest, dass die Ungarn auch diesmal wieder als Sieger vom Platz gehen würden.

Auch der anfängliche Spielverlauf wies auf alles andere als auf ein Wunder hin. Erwartungsgemäß ging die damals weltbeste Mannschaft der Ungarn, oder um mit Herbert Zimmermann zu sprechen, "die Pusta- Söhne", in Führung. Ferenc Puskas - der "Major" - erzielte bereits in der sechsten Spielminute die Führung, Czibor sorgte mit dem 2:0 zwei Minuten später für deren Ausbau.

Zimmermann: "Was wir befürchtet haben, ist eingetreten. Für die überaus favorisierten Ungarn läuft alles nach Plan und auch der neutrale Beobachter kann sich nicht des Eindruckes erwehren, dass alles wie vorausgesehen laufen sollte."

Doch die Mannschaft um Spielführer Fritz Walter spielt unbeeindruckt weiter. Wiederum nur zwei Minuten später ist es soweit: der Nürnberger Morlock erzielt den Anschlusstreffer.

Zimmermann: "Gott sei Dank! Es steht nur noch 2:1. Und das sollte uns Mut geben."

Die deutschen Angriffsbemühungen ebben nicht ab und finden ihren Lohn in der achtzehnten Spielminute. Fritz Walter führt einen Eckball aus, den Helmut Rahn, in den Maschen des ungarischen Tores versenkt. Die folgende Angriffswelle der Ungarn bleibt vorerst ohne Erfolg.

In der zweiten Halbzeit das gewohnte Bild: Favorit Ungarn kam ein ums andere Mal gefährlich vor das deutsche Tor. Doch der Düsseldorfer Fortune Turek hatte einen guten Tag. Kein Schuss erreichte das von den Ungarn gewünschte Ziel. "Teufelskerl" und "Fußballgott" wurden in diesen Minuten neue Beinamen Tureks. Zimmermann war außer Rand und Band. Doch die Angriffe der Ungarn wollten kein Ende nehmen. Sie waren drückend, überlegen und die erneute Führung schien logische Konsequenz des Spielverlaufs zu sein. Zimmermann forderte seine Hörerschaft zu Hause vor den Radioapparaten auf, die Daumen zu drücken - "auch wenn Sie sie zer-drücken".

Noch steht es 2:2

Die Ungarn hatten ihre Angriffsbemühungen längst nicht eingestellt. Sechs Minuten vor Spielende sah Reporter Zimmermann immer wieder den rechten Läufer der Ungarn.

Zimmermann: "Unaufhörlich prasselt der Regen hernieder [...] Bozsik, immer wieder Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn, hat den Ball verloren, diesmal an Schäfer. Schäfer nach innen geflankt. Kopfball - abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt... Toooor! Toooor! Toooor! Toooor!"

Die 84. Spielminute. Das Spiel hatte sich unerwartet gewendet - nun führte Außenseiter Deutschland.

Zimmermann: "Drei zu zwei führt Deutschland fünf Minuten vor dem Spielende. Halten Sie mich für verrückt, halten Sie mich für übergeschnappt. Ich glaube, auch Fußball-Laien sollten ein Herz haben und sollten sich an der Begeisterung unserer Mannschaft und an unserer eigenen Begeisterung mitfreuen und sollten jetzt Daumen halten. Viereinhalb Minuten Daumen halten in Wankdorf. Drei zu zwei führt Deutschland nach dem Linksschuß von Rahn, der flach im linken Eck einschlug [...] Drei zu zwei für Ungarn - für Deutschland - ich bin auch schon verrückt, Entschuldigung! [...] Und die Ungarn, wie von der Tarantel gestochen, lauern die Pusta- Söhne, drehen jetzt den siebten oder zwölften Gang auf, Und Kocsis flankt - Puskas abseits - Schuss - aber nein, kein Tor! Kein Tor! Kein Tor! Puskas abseits."

Und dann die erlösenden Worte: "Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister. Schlägt Ungarn mit drei zu zwo Toren im Finale in Bern!"

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