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"DER BALL IST RUND"


Herberger und die Presse — ein Mann mit Unterhaltungswert

 

[Auszug aus "Sepp Herberger und das Wunder von Bern"]

Paris, 5. Oktober 1952 - Frankreich gegen Deutschland

60 000 Franzosen und 10 000 deutsche Schlachtenbummler saßen an diesem denkwürdigen Sonntag im Oktober im Pariser Stade de Colombe. Sie alle waren gekommen, um ihre Mannschaft nach Kräften anzufeuern und möglicherweise das Spiel des Jahres zu sehen.
Als feststand, mit welcher Aufstellung Herberger an den Start ging, wogen sich die Franzosen schon in Sicherheit. Wichtige, versierte und kampfstarke Spieler waren kurz zuvor ausgefallen. Kohlmeyer konnte, wie Herberger schon lange befürchtet hatte, tatsächlich nicht antreten, ebenso wenig der nervenstarke Morlock. Zusätzlich waren auch Streitle und Mebus außer Gefecht.

[...] Und dann trat genau das ein, was Herberger schon die ganze Zeit geahnt und wovor er seine Spieler immer und immer wieder gewarnt hatte: Die Franzosen nahmen gleich nach dem Anpfiff das Zepter in die Hand und fegten nur so über den Platz.

[...] Unglücklicherweise führte eines zum anderen. Der französische Halblinke Strappe fing das Leder geschickt auf und donnerte es in die rechte untere Ecke des Tors zum 1:3.
Abpfiff. Das ganze Stadion jubelte und feierte ihre Stars - alle bis auf eine Ecke, in der 10 000 teilweise erschütterte, teilweise erboste deutsche Fans saßen und das Ergebnis noch gar nicht richtig fassen konnten.

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Dieses Spiel vom 05. Oktober 1952 sollte als "schwarzer Tag von Paris" in die deutsche Fußballgeschichte eingehen. Die Presse stürzte sich auf Mannschaft und Trainer, ließ kaum ein gutes Haar an ihnen.
"Schluss mit der Günstlingswirtschaft - radikaler Umbau der deutschen Fußball-Nationalelf erforderlich!", titelte die Presse und bezeichnete Herberger als "mit Starrsinn geschlagen" und als ein Trainer, der eine "absolute Fehlbesetzung" nach Paris geschickt hatte. Vor allem Fritz Walter hatte sehr unter der harschen Kritik an seiner Person zu leiden: "Nein, der Fritz kann es nicht mehr. Paris hat es bewiesen, Paris hat uns die Augen geöffnet, dass der Fritz endlich abtreten muss", schrieb der Hamburger Anzeiger noch eine Woche später.

Keine Frage: Herberger war weder mit dem Ausgang des Spiels, noch mit den Meldungen über Mannschaft und Trainer zufrieden, doch er hatte eine ganz eigene Art damit umzugehen: Am 15. Oktober berief er eine Pressekonferenz ein, zu der er bis ins Detail jede einzelne Spielaufstellung erläuterte. In seinen Aufzeichnungen notierte er die Reaktion der Journalisten: "Betroffenes Schweigen!" Mit dieser Art Informationspolitik hatte Herberger für sich das angeschlagene Verhältnis zur Presse bereinigt.

In einem Zeitungsartikel der Frankfurter Nachtausgabe vom Oktober 1952 stand: "[...] Der von der bösen Presse nach dem 'schwarzen Sonntag von Paris' mehr oder weniger heftig attackierte Bundestrainer begrüßte den von Frankfurt zu einer kurzen Stippvisite herübergekommenen Berichterstatter mit grimmigem Humor: 'Na, den K.O., den mir die Presse nach dem Pariser Länderspiel verpasst hat, den habe ich mittlerweile verdaut.'"

In einem weiteren Artikel heißt es: "Noch war das Duisburger Federballturnier in vollem Gange, als wir uns von Herberger verabschiedeten. An der Turnhallentür rief er dem Reporter noch nach: 'Meine Pläne und meine Namen haben Sie gehört. Nun soll mir die Presse ihre Mannschaft nennen, sollen mir die Journalisten ihr Rezept für die Weltmeisterschaft verraten.'"

Diese und weitere Beispiele zeigen, dass Herberger es über die Zeit verstanden hatte, mit der Presse auf seine ganz persönliche Art umzugehen. Er begriff sie nicht von vorneherein als Gegner, sondern als für seine Ziele zuträgliches Instrument, das er nutzen konnte. Umgekehrt war auch kaum ein deutscher Bundestrainer so charismatisch und unterhaltsam für die Medien wie Sepp Herberger.

Dass von niemandem Sprüche, Anekdoten und Weisheiten in so zahlreicher Form überliefert sind, welche bis heute immer wieder zu den unterschiedlichsten Anlässen zitiert werden, liegt sicher an diesem Unterhaltungswert Herbergers für die Presse. Bei nahezu jeder Konferenz konnten sich Journalisten über seine launigen Bemerkungen freuen. Aber auch seine Spieler hatten so manches Mal ihre Freude damit.

 

Hier einige Sprüche und Weisheiten:

"Der Ball hat immer die beste Kondition."

"Das nächste Spiel ist immer das schwerste."

"Das Spiel dauert 90 Minuten."

"Nach dem Spiel ist vor dem Spiel."

"Der Ball ist rund."

"Der nächste Gegner ist immer der schwerste."

Zur Mannschaft: "Es gibt nur eine Nationalhymne, die zweimal gespielt wird. Sorgt dafür, dass es unsere ist."

"Ich weiß, dass es in Deutschland Hunderttausende von Bundestrainern gibt, aber ich stehe als einziger auf der Gehaltsliste des DFB."

"Sie [Fussballspieler] sind manchmal wie die lieben Viecherl. Man muss sie streicheln, statt ihnen eines ins Genick zu geben."

"Ohne erfahrene Kräfte geht es nicht. Mit dem Willen allein geht es auch nicht. Wer international bestehen will, muss mehr können als alle anderen."

Bei einer taktischen Besprechung vor dem Spiel: "Ihr braucht ja nicht hinzuhören, sondern es euch nur zu merken."

Zu seinen Spielern: "Macht es so wie ich. Zeitungskritiken kümmern mich nicht."

Zu Journalisten über ungehaltene Zuschauer: "Als ob das alles Engel wären. Jeder dreht einmal einen Zacken, ohne dass man ihm gram sein darf. Aber ich sage euch, wenn einmal über eine Sache Gras gewachsen ist, dann kommt gewiss ein Kamel und frisst es wieder ab."

Über einen Spieler: "Wartet mal ab, der Mann kommt erst noch, obwohl man glaubt, er sei schon da."

Nach dem Entscheidungsspiel gegen die Türkei (7:2) zu Journalisten: "Ja, ja, ich bin doch ein kluger Kopf. Das könnt ihr ruhig schreiben."

Auf die Mitleidsbekundungen einiger Zuschauer in Hinblick auf das Endspiel gegen Ungarn: "Wer nie sein Brot im Bette aß, weiß nicht wie die Krümel pieken. Wir haben doch schon einmal verloren und wissen wie es ist. Etwas Neues wäre es nicht."

Nach Spielschluss (Finale der WM) auf die Frage nach der deutschen Taktik: "Die Leute hinten hatten den Auftrag, an den Stürmern wie eine Briefmarke zu kleben und ihnen notfalls auf die Toilette zu folgen. Die Angriffsspieler sollten für den Sieg sorgen. Wir wollten ja siegen."

Über Fritz Walters Vorbereitungen auf die WM: "Er hat monatelang nichts anderes gemacht als Eckbälle zu proben. Zu meiner aktiven Zeit wäre mir das nicht im Traum eingefallen."

"Stolz in der Niederlage und Bescheidenheit im Sieg, das zahlt sich letzten Endes aus."

Über heitere Stimmung bei Fritz Walter: "Das sehe ich gern, wenn der Fritz lacht, bis die Ohren Besuch bekommen. Innere Freude hat noch niemandem geschadet."

"Es gibt Leute, die rennen in der zweiten Halbzeit den Minuten nach, die sie vor der Pause verschlafen haben."

"Ich bin doch nicht der liebe Gott. Zwar geschieht mein Wille, wenn man so will, auf Erden und nicht im Himmel, aber so weit sollte man nicht gehen, einem das anzuhängen."

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