| DIE VORBEREITUNGEN

STARTSEITE
_____________________________

SEPP HERBERGER
_____________________________
DAS JAHR 1954
_____________________________
DIE VORBEREITUNGEN
_____________________________
DIE WELTMEISTERSCHAFT
_____________________________
DAS WUNDER VON BERN
_____________________________

DIE HELDEN VON BERN
_____________________________

DIE MAGYAREN
_____________________________
INTERVIEW MIT HORST ECKEL
_____________________________
HERBERGERS TAGEBUCH
_____________________________
WEISHEITEN UND SPRÜCHE
_____________________________
DER TATSACHENROMAN
_____________________________
LINKS
_____________________________
ÜBER UNS
_____________________________
IMPRESSUM
_____________________________

DIE WM RÜCKT NÄHER


Wie die eine, die beste Mannschaft finden?

Seit Kriegsende hatte Herberger nur ein großes Ziel: Die Teilnahme Deutschlands an einer Fußball Weltmeisterschaft. Doch zunächst musste er den deutschen Fußball wieder aufbauen und ihn auf den Stand von 1940 setzen. So suchte er sich systematisch Spieler aus, die am besten auf sein Spielsystem passten. Er hielt also ganz gezielt Ausschau nach Spielern, die seine Kriterien hinsichtlich eines "wirbelnden Mannschaftsspiels" erfüllten, anstatt umgekehrt sich Talenten zu widmen, um die herum er seine Strategie baute. Das Ergebnis war, dass er nicht nur fünf Spieler vom 1. FCK in seinen Kader holte, sondern auch an einem von allen als "zu alt" deklarierten Fritz Walter festhielt. Diese Spieler setzten seiner Meinung nach am besten sein Konzept des "Einen" um.

Aus seinen Aufzeichnungen: "In unserer Mannschaft galt immer als oberstes Ziel unseres Strebens die geschlossene Mannschaftsleistung. Im Rahmen dieser Mannschaftsleistung hatte dann jeder einzelne die Freiheit und das Recht, mit seinen spielerischen Fähigkeiten und Fertigkeiten entsprechend aufzutrumpfen. Nach diesem Konzept suchte ich unsere Leute. Eine alte Fußballweisheit hat unzählige Beispiele zur Hand, um zu beweisen, dass aus einer Reihe der Besten selten oder gar nie ein gutes Ensemble wird. Ausschlaggebend für ein gutes Beginnen, einen schnellen, dauerhaften Erfolg, ist eine Auswahl und Zusammenstellung von Spielern, die entweder von gleicher oder ähnlicher Art sind oder sich gegenseitig ergänzen, kurz und gut, eben zueinander passen."

 

Die Qualifikation

Insgesamt hatten sich 38 Mannschaften zur Fußball WM 1954 gemeldet. Zwei davon waren bereits gesetzt: Die Schweiz als Gastgeber und Uruguay als Titelverteidiger. Somit sollten 36 Mannschaften um die verbleibenden 14 Plätze kämpfen. Da allerdings Polen und Taiwan ihre Meldung zurückzogen, traten am Ende nur noch 34 Mannschaften zu den Qualifikationsspielen an. Darunter waren allein aus Europa 25 Mannschaften, die in insgesamt 10 Gruppen aufgeteilt wurden. Deutschland befand sich in Gruppe 1 und musste gegen das Saarland und Norwegen antreten. Mit Ausnahme einer rein britischen Gruppe war der jeweils Erstplatzierte einer Gruppe für die Teilnahme der WM qualifiziert.

 

Hier die Spielergebnisse aus Gruppe 1:

Norwegen Saarland
2:3
Norwegen Deutschland
1:1
Deutschland Saarland
3:0
Saarland Norwegen
0:0
Deutschland Norwegen
5:1
Saarland Deutschland
1:3

 

Abschlusstabelle Gruppe 1:

Platzierung Land Tore Punkte
1 Deutschland 12:3 7:1
2 Saarland 4:8 3:5
3 Norwegen 4:9 2:6

 

Briefe an die Spieler

Herberger pflegte zu jedem Spieler persönlichen Kontakt. Vor allem um die Pausen nach Länderspielen oder Lehrgängen zu überbrücken, verfasste er sowohl Rundbriefe an alle, wie ganz persönliche Schreiben, in denen er Mut zusprach oder mitunter sogar mahnende Worte fallen ließ.
Auch vor der WM 1954 schickte er Briefe an die Spieler.

Hier kurze Auszüge an einige:

An Hans Schäfer: "Sie wissen, dass Sie zum Stamm unserer Mannschaft zählen. Daran ändern auch gelegentlich Formschwankungen nicht, vor der im übrigen keiner verschont bleibt. Ich rechne stark mit Ihnen, Hans...!"

An Toni Turek: "Es geht bei Ihnen um die Erhaltung der besten Kondition und auch darum, zum richtigen Zeitpunkt in bester Spielform zu sein.“

An Horst Eckel: "Die Klasse einer Mannschaft hängt im hohem Maße von der Fähigkeit der Aussenläufer ab, zu decken, zu zerstören und aufzubauen. [...] Also Horst, üben und wiederum üben macht den Meister!“


Der Trainervater Herberger

An Fritz Walter: "...Wenn Sie weiterhin so trainieren und so leben wie bisher und wenn Sie vor allen Dingen an sich glauben, dann, Fritz, gibt es keinen auf der weiten Fußballwelt, der Ihnen das Wasser reichen kann.“

An Ottmar Walter: "Lieber Ottes, denken Sie daran, dass es gilt, zum Sommer in Höchstform zu sein. Sie wissen Bescheid!“

An Josef Posipal: “Jupp, Ihnen brauche ich keinen Zusatz zu machen, wie ich es bei einigen unserer Spieler tat. Sie wissen, was Sie zu tun und zu lassen haben, um in beste Form zu kommen und zu bleiben, so wie ich von Ihnen weiss, dass ich mich auf Sie verlassen kann.“

An Helmut Rahn: “Helmut, Dribbeln und Alleingänge sind hervorragende Mittel eines erfolgreichen Angriffsspiels. Aber ebenso, oder oft noch höher steht das Zusammenspiel im Kurs. Denken Sie daran und üben Sie sich darin. Dann sind Sie mein Mann und auf dem besten Wege ein Spieler von grosser Klasse zu werden! Helmut, also, schau Dich um, spiele ab und lauf Dich frei!“

 

Der "Geist von Spiez"

Sicher lieben Sie ein Hotel,welches abseits der Autostrasse, aber nur zwei Minuten vom Strandbad, inmitten eines prächtigen Gartens am Thunersee steht. Es ist vollständig renoviert. Seine Balkone und Terrassen bieten eine herrliche Aussicht auf See und Berge. Die Ausstattungen entsprechen dem, was der anspruchsvolle Gast nicht mehr missen möchte. Moderne Gesellschaftsräume und Zimmer mit fließendem Wasser, sowie Privatbad; Terrassenrestaurant, und großer Parkplatz. Auch unsere Küche genügt verwöhntesten Ansprüchen.

So die Prospektbeschreibung des Hotels Belvédère am Thunersee in Spiez.

Herberger überließ nichts dem Zufall, so auch nicht die Unterbringung für seine Mannschaft in den Wochen der WM. Albert Sing, der Co-Trainer, wurde mit der Aufgabe betraut, das passende Hotel zu finden.

Ursprünglich sollte die deutsche Elf aber in einem ganz anderen Hotel in Solothurn untergebracht werden, doch Herberger entschied sich trotz aller Vorzüge, die das Hotel bot, dagegen. In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich eine Kirche, deren Glocken einen "weitreichenden Klang" hatten. "Es war eine recht fleißige Uhr; sie zeigte auch die Viertelstunden an. Wenn es noch eine katholische Kirche war, hätten wir schon zur frühen Morgenstunde das Glockengeläute in unseren Zimmern gehabt", notierte sich der Trainer später.

So fiel die Wahl auf Spiez und das Hotel Belvédère.


Das Hotelprospekt von 1954

Über Herbergers Reaktion kann in diesem Zusammenhang nur spekuliert werden, als er erfuhr, dass ausgerechnet die ungarische Nationalmannschaft, die schon im Vorfeld als Favorit des Turniers gehandelt wurde, in Solothurn untergebracht und damit auch dem Glockengeläut ausgesetzt war.

 

______________________________

[Auszug aus "Sepp Herberger und das Wunder von Bern"]

Der Bus hielt mit einem Quietschen vor dem Hotel Belvédère am Thunersee. Es war neun Uhr abends, die Sonne war gerade untergegangen, aber was sich den deutschenSpielern eröffnete, als sie aus dem Bus stiegen, war von idyllischer Ruhe und malerischer Schönheit, fast wie Urlaub. Kein Wunder, dass die allgemeinen "Ahhhs" und "Ohhhs" nicht ausblieben, obwohl ein langer Tag hinter ihnen lag. Morgens waren sie in Schöneck eingekleidet worden [...] Mittags waren sie dann in Karlsruhe in den Zug gestiegen und vom schweizerischen Fußballbund in Basel willkommen geheißen worden. Dank Albert Sing und dessen Unterstützung in Sachen Hotel hatten sie anschließend schon einmal das im letzten Jahr erbaute Wankdorfstadion besichtigen können. [...] Jetzt waren seine müden Männer aber zurecht beeindruckt. Eine bessere Wahl hätte er nicht treffen können. Wenn er nur an die Unterkunft der Ungarn dachte, schlug er in Gedanken die Hände über dem Kopf zusammen!
Deren Hotel lag direkt neben einer viel befahrenen Straße im Ortskern, unmittelbar neben einem Kirchturm, der sich unablässig durch Glockengeläut bemerkbar machte. Von der märchenhaften Ruhe am Thunersee keine Spur."

______________________________

 

Doch nicht nur das Glockengeläut störte, auch wurde in Solothurn ausgerechnet in der Nacht vor dem großen Finale ein Blaskapellenfest abgehalten, das mit Sicherheit dem ein oder anderen ungarischen Spieler eine schlaflose Nacht bescherte.

Spiez jedoch war in jeder Hinsicht traumhaft schön. Es war der ideale Ort, um sich ohne Störung von Außen, ohne Presse, Spielerfrauen und Familie ganz in Ruhe vorzubereiten. Hier sollte etwas entstehen, das weit über das Maß von Mannschaftsgeist hinausgehen sollte. Ein neuer Spirit entstand: Der Geist von Spiez.

Herberger notierte: "Zum ersten Male seit Bestehen unserer Nationalmannschaft waren wir in ununterbrochenen drei Wochen im Trainingslager. Drei Wochen in Spiez. Drei Wochen ernster Arbeit und fröhlicher Ausgelassenheit. Drei Wochen der Kameradschaft, wie sie besser nicht sein kann. All unser Sinnen und Trachten ging dahin, galt der Aufgabe, die uns übertragen war.
Irgendwo war zu lesen, dass wir uns einen Tag eingeschlossen hätten, um die Spiele zu beraten. Abgesetzt das stimmt, aber nur deshalb, um einmal für die eigenen Kartengrüße Zeit zu haben. Drei Wochen Spiez sind drei Wochen hohes Lied bester Kameradschaft."

 plot-com GbR | Xtrafilm GbR | Eva Ludwig & Melanie Kabus | Herwarthstraße 15 | 53115 Bonn | Tel.: 0228 / 944 9937-5 | Fax: 0228 / 944 9937-6 | info@plot-com.de