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DIE UNGARISCHE ELF — DAS "GOLDENE TEAM"


Der Sieg über die "Unbesiegbaren"


[Auszug aus "Sepp Herberger und das Wunder von Bern"]

In Ungarn herrschte Ausnahmezustand. Die Menschen waren so geschockt von der unerwarteten Niederlage, dass die ganze Nation zunächst fassungslos schwieg. Doch als der Schreck erst einmal überwunden war, begannen regelrechte Krawalle. Gegen einen Bus, in dem die Spieler vermutet wurden, flogen Steine. Eine Massendemonstration in Budapest wollte die Absetzung des Sportministers bewirken und auch in anderen Orten machten die Menschen ihrem aufgestauten Ärger lauthals Luft. Die Spieler sahen sich deshalb gezwungen, eine Station vor ihrem Zielbahnhof noch in der Nacht mit Sack und Pack den Zug zu verlassen. Zu groß war die Angst vor der drohenden Schlägerei.

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Wer hätte damals schon gedacht, dass das Ungarn-Team im Endspiel der WM ausgerechnet gegen Deutschland mit 2:3 eine solch herbe Niederlage erleben musste.
Bis zum 04. Juli 1954 war die Mannschaft in 31 Spielen in Folge ungeschlagen. Von der "ungarischen Wunderelf" oder dem "goldenen Team" war die Rede.

Der erste Sieg der Serie fand in Warschau am 04. Juni 1950 statt. Dort schlugen sie Polen mit 5:2. Dann gewann die Puskás-Elf (benannt nach dem Halblinken Ferenc Puskás) 12:0 gegen Albanien. Bei den Olympischen Sommerspielen in Helsinki 1952 besiegten sie Rumänien (2:1), den zweimaligen Weltmeister Italien (3:0), die Türkei (7:1), Schweden (6:0) und Jugoslawien (2:0), was ihnen den Olympiasieg im Fußball einbrachte.

1953 gewannen die "magischen Magyaren" den Europapokal der Fußballnationalmannschaften, einen Vorläufer der Fußball-Europameisterschaft. Mit einem 3:0 gegen Italien gewannen sie das entscheidende letzte Spiel in Rom vor 80.000 Zuschauern. Puskás war mit zehn Toren Torschützenkönig des Wettbewerbs.

Auf dem "heiligen Rasen" in Wembley 1953 fand dann das vielleicht spektakulärste Spiel gegen England statt. Noch nie hatte England auf heimischem Boden ein Spiel gegen kontinentale Mannschaften verloren. Doch am 25. November mussten sie eine herbe 3:6 Niederlage erleiden. Und auch beim Revanchespiel im Mai 1954 in Budapest wurden sie von der Puskás-Elf mit 1:7 besiegt.

Noch in der Vorrunde der WM gelang gegen Südkorea ein sagenhaftes 9:0 und auch Deutschland wurde mit 8:3 geschlagen. Als Sieger wurden sie bereits im Vorfeld von der Presse deklariert, ja, die "Fußball-Könige von der Donau", wie der Mannheimer Morgen über sie schrieb, galten in der Tat als unbesiegbar.

 

Nur einer hatte eine andere Meinung:

Am 25. November 1953, jenem Tag, an dem die Engländer von der ungarischen Elf in Wembley regelrecht vorgeführt wurden, saß Herberger unter den Zuschauern. Er notierte später: "Zum ersten Mal wurde Englands Nationalvertretung in einem Länderspiel im eigenen Land und vor eigenem Publikum überzeugend hoch mit 6:3 geschlagen. In keinem Augenblick des Spiels gab es bei den Hunderttausenden auf den Rängen Zweifel über seinen Ausgang. Der Kontinent - vertreten durch Ungarns Nationalmannschaft - war dabei, Englands bisherige Vormachtstellung im Fußball zu erschüttern. Eine neue Fußball-Ära kündigt sich an [...]"

Doch nachdem Herberger dieses Spiel, wie auch die 1:7 Niederlage im Mai 1954 in Budapest, für sich analysiert hatte, kam er zu einem Schluss, der vermutlich so mit niemandem geteilt werden konnte:

"Ungarn ist zu schlagen!"

"[...] Die Schwäche dieser Mannschaft lag in der Abwehr. Das gilt keineswegs für die personelle Besetzung der Abwehrpositionen, sondern vielmehr das Eingespieltsein miteinander. Dem nüchternen Betrachter konnten trotz allem Zauber der ungarischen Spielkunst die Mängel in der Abwehr nicht verborgen bleiben. Hier lag die Achillessehne dieses großen Meisters. Sie war auch den für diese Mannschaft verantwortlichen Männern nicht unbekannt. Wie anders würden sich sonst die strikten Abwehraufgaben erklären, die dem linken Läufer im ungarischen Abwehrblock, Zakariás, aufgetragen waren. Er musste sich zurückhalten, weil Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn und ihr Kapitän, von Kopf bis Fuß nur auf das Angriffsspiel und seine Ankurbelung eingestellt war. Seine außerordentliche Stärke war zugleich sein schwacher Punkt. Er fehlte seiner Abwehr nicht nur allein deshalb, weil er sich oft in übertriebenem Maße in das Angriffsspiel seiner Vorderleute einschaltete, sondern im gleichen Maße auch deshalb, weil es ihm an der Grundschnelligkeit fehlte, um notwendigerweise sich rechtzeitig wieder in seinen Abwehrblock einzureihen [...]"

So zielten Herbergers taktische Maßnahmen darauf ab, "das gegnerische Angriffsspiel in Fesseln zu legen" und gleichzeitig dort, "wo das Fehlen von Bozsik Lücken und Gassen im Abwehrnetz ließ", zuzuschlagen.

 

Die Aufstellung im Finale:

1 Gyula Groscis
2 Jenõ Buzánszky
3 Gyula Lóránt
4 Mihály Lantos
5 József Bozsik
6 József Zachariás
8 Sándor Koscis
9 Nándor Hidegkuti
10 Ferenc Puskás
11 Zoltán Czibor
20 Mihály Thóth

Trainer und Sportminister: Gusztáv Sebes

 

Herbergers Einschätzung der ungarischen Mannschaft:

"Ungarns Fußball hatte mit seiner Mannschaft ein außerordentlich großes Glück. Ihm waren in einer Generation gleich mehr als ein Dutzend Spieler von absoluter Weltklasse erwachsen. [...] Aus meiner Optik gesehen, waren die zentralen Figuren im Angriffsspiel der Ungarn der Mittelstürmer Hidegkuti und der Außenläufer Bozsik.

Puskás war einer der besten Halbstürmer, die es je gegeben hat. Aber er war kein Spielmacher in dem Sinne, wie ich diesen sehe. Seine kluge Übersicht, sein trickreiches und listiges Spiel mit dem Ball und Gegner hoben ihn über seine Umgebung hinaus und ließen ihn so oft zum überragenden Mann der Angriffsreihe der ungarischen Nationalmannschaft werden, und das obwohl er ein einseitiger Linksfüßer war und ich ihn nie in den Jahren seines Höhenfluges in einer guten Kondition gesehen habe.

Hidegkuti war für mich von einem überragenden Talent. Er hatte Sinn für beide Aufgaben. Er half in der Abwehr, kurbelte schon in der eigenen Hälfte den Angriff an, hielt ihn im Gange und war in der Lage, auch zu vollenden was er begonnen hatte.

Mit Bozsik hatte Hidegkuti im Mittelfeld einen Spieler von gleicher Auffassung und gleichen Qualitäten wie er. Wenigstens was das Angriffsspiel anbetraf. Er hatte zwar viel Verstand in Raumdeckung und zeigte sich auch darin als ein guter Meister, aber von harter Deckung und energischem Zupacken war er offensichtlich kein Freund. Hier hatte die Abwehr der ungarischen Nationalmannschaft ihre verwundbare Stelle.

Im Zentrum der ungarischen Abwehr stand mit Lóránt ein Athlet, von Natur wie geschaffen für den Posten eines Stoppers, der allein schon durch seine Erscheinung und seinen Einsatz höchsten Respekt auslöste. Darüber hinaus war er - wie konnte es auch bei einem Ungarn anders sein - in allen Fächern des Fußballs ein perfekter Spieler. Er hatte Überblick, war ein glänzender Organisator und hatte den auf seinem Posten so notwendigen Einfluss auf die Männer seiner Umgebung, um sie zu einem recht gut funktionierenden Abwehrblock zusammenzuhalten."

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