|INTERVIEW MIT HORST ECKEL

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RECHTER LÄUFER UND "WINDHUND"


Zu Recherchezwecken für unseren Roman stand uns Horst Eckel im Sommer 2003 für ein Interview zur Verfügung:

 

Herr Eckel wie sind Sie eigentlich zum Fußball gekommen?

Schon immer habe ich als kleiner Bub Fußball gespielt, musste immer, wenn ich was Rundes gesehen habe, rantreten. Das war für mich quasi völlig normal. Richtig im Verein Fußball zu spielen habe ich angefangen 1947 mit etwa 15 Jahren, damals noch in Vogelbach. Der 1. FCK hat mich dann eingeladen zum Probetraining, wo ich bei den Junioren spielen sollte. 1949 kam ich nach Kaiserslautern. Den Sprung in die erste Mannschaft habe ich schnell geschafft, so dass ich schon 1951 mit meiner Mannschaft Deutscher Meister wurde.

In der ersten Mannschaft hatten Sie gleich mit Größen wie Fritz Walter, Werner Liebrich oder Werner Kohlmeyer zu tun, die zu der Zeit alle schon bekannt waren. Wie war das für Sie?

Ich muss sagen, ich habe nicht im Traum daran gedacht, dass ich mit diesen Größen einmal spielen durfte. Natürlich kannte ich sie. Das waren alles Vorbilder für mich. Aber als dann der Trainer (Richard Schneider) zu mir kam und mir sagte, "ab heute spielst du in der 1. Mannschaft", stand ich plötzlich neben ihnen. Ich habe mich wahnsinnig auf das erste Training gefreut, habe alles gegeben, damit ich dabei bleiben durfte.

Und wie wurden Sie von den Spielern aufgenommen? Sie waren immerhin der Jüngste.

Ich wurde von Anfang an gut aufgenommen von allen. Es gab keine Stars, so wie heute. Die Spieler waren immer ganz normal. Keiner hatte Allüren. Ich selbst war auch überhaupt nicht kompliziert, habe an allen Positionen gespielt. Damals musste man noch an allen Positionen spielen. Tugenden wie Pünktlichkeit oder Disziplin wurden groß geschrieben und haben mir dann auch in meinem späteren Leben immer sehr geholfen.
Ich habe mich mit allen gut verstanden, auch außerhalb des Spielfelds. Das gehörte dazu, war auch Herberger ganz besonders wichtig, dass man sich auch sonst gut versteht.

Wann war ihr erstes Länderspiel?

1952 Mit 20 Jahren.

Waren Sie sehr nervös bei Ihrem ersten Länderspiel?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe jedes Spiel so gespielt, als wäre ich Zuhause in Vogelbach. Sobald ich gespielt habe, ist von mir alles abgefallen. Nervosität bei einem Spiel kenne ich nicht. Ich war selbst bei der WM nicht nervös.

Erinnern Sie sich noch an die Taktik des Endspiels? Was war die Anweisung des "Chefs" für Sie?

Ich erinnere mich noch daran, was Herberger gesagt hat: Sie müssen weiter nach vorne und versuchen Hidegkuti zu decken. Es wird nicht hundertprozentig klappen. Wenn es zu 80% funktioniert, dann ist es schon gut. Weltklassespieler kann man nicht zu hundert Prozent ausschalten.

Wie haben Sie die letzten Minuten, nach dem 3:2 erlebt, als Puskás ein weiteres Tor schoss?

Ich habe das Abseits sofort gesehen, weil ich letzter Mann gewesen bin und Puskas hinter mir gestanden ist. Es konnte also nur Abseits sein. Das waren die längsten fünf Minuten meines Lebens.

Können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Sepp Herberger erinnern?

Herberger hatte mich schon einmal 1950 bei einem Spiel gesehen, da gab es aber noch keine persönliche Begegnung. Fritz Walter hat mir damals erzählt, dass er mich gesehen hatte. Als ich dann das erste Mal vor ihm stand, hatte ich gleich ein Vertauensgefühl zu ihm.

Aber der Chef konnte auch anders, oder?

Er war eine ausgesprochene Autoritätsperson. Ihm war Disziplin, Benehmen und Pünktlichkeit sehr wichtig. Aber er lebte auch das, was er von den Spielern erwartete selbst vor. Er hat weder geraucht noch getrunken, aber er wusste von allen Spielern, welche Laster sie hatten - "der raucht heimlich, der trinkt heimlich Bier" etc.
Fehlverhalten wurde bestraft, führte dazu, dass man nicht mehr weiterspielen durfte. Mir hat er immer persönlich gesagt, wenn etwas war.

Apropos Bestrafung: Haben Sie jemals einen seiner berüchtigten Briefe bekommen?

Ich habe nie einen Brief bekommen, so wie andere Spieler. Nach den Spielen hat er sich beim Bankett immer erst zum Vorstand gesetzt, ist dann aufgestanden und zu den Spielern gegangen, hat gesagt "das war nicht so gut, das war gut..." und wenn er dann noch drangehängt hatte, dass man wiederkommen durfte, war alles in Ordnung. Schlimm wurde es nur, wenn er nicht zu einem gekommen ist. Dann wusste derjenige schon, dass er einen Brief bekam.

Fritz Walter ist ja eine große Fußballlegende, mit der Sie lange Zeit zusammen spielen durften. Wie war "der verlängerte Arm" des "Chefs" denn auf dem Spielfeld und privat?

Im Prinzip kann man sagen, dass Fritz Walter derselbe Typ wie Herberger war, nur sensibler. Er hatte immer die Augen und Ohren offen, sowohl auf dem Feld, wie auch privat, hat mit uns anderen Spielern viel geredet, war sozusagen zweiter Trainer nach dem Chef. Dabei war ihm Disziplin und Anstand genauso wichtig. Ich erinnere mich an eine kleine Anekdote, die ich bis heute nicht vergessen habe: Nach einem Fußballspiel war es Usus, mit allen Spielern Essen zu gehen. Die jungen Spieler saßen unten am Tisch, Fritz Walter oben. Irgendwann, saß ich neben Karl Wanger (einer der Spieler vom 1. FCK) und wir beschlossen, nach dem Essen in die Stadt zu gehen. Als wir fertig waren, standen wir als erste auf und machten dann noch den "Fehler" nicht den Stuhl an den Tisch zurückzuschieben. Sofort gab es einen herben Tadel von "oben", von Fritz Walter, der uns streng darauf hinwies, dass es sich nicht gehöre, früher als die anderen vom Tisch aufzustehen und dann noch nicht einmal den Stuhl zurückzuschieben. Das ging mir so unter die Haut, dass ich es bis heute nicht vergessen habe und IMMER warte, bis man aufstehen kann und dann meinen Stuhl an den Tisch zurückschiebe.

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