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SEPP HERBERGER
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SEPP HERBERGER — TRAINERVATER UND LEGENDE

Chronologie

 

[Auszug aus "Sepp Herberger und das Wunder von Bern"]

„Jetzt lass es doch gut sein, Lina …“, brummte sein Vater, der eben aufgewacht war. Er nahm ihn immer in Schutz. Besser gesagt, fast immer. Dass Jungen auch mal die eine oder andere Hose zerreißen konnten, dafür hatte er Verständnis. Wofür er allerdings ebenfalls kein Verständnis hatte, war Fußball. Da blieb auch er streng. Auch in seinen Augen war dieser neue Sport keine Sportart, der sich Jungs in seinem Alter hingeben sollten.
Gerade schüttelte ihn wieder ein trockener Hustenanfall. Seit seiner letzten schweren Erkältung hatte ihn die Energie verlassen. Selbst jetzt im Sommer schien er sich nicht erholt zu haben und das Atmen fiel ihm schwer. Nach der harten Arbeit in der Spiegelfabrik hatte er einfach keine Kraft mehr. Keine Kraft, um seinem Sohn die Leviten zu lesen und auch keine Kraft, um seiner Frau zu widersprechen, die für seinen Geschmack eine Spur zu streng war.
„Ich schau mir deine Schuhe an, Bürschchen! Wenn du wieder kommst!“, kündigte seine Mutter jetzt an.
„Natürlich die Schuhe“, dachte Sepp und verdrehte leicht die Augen, sodass es keiner mitbekam. Wenn man nicht auf die Hose aufpassen musste, dann waren es die Schuhe, die keine Schramme abbekommen durften. Davon gab es nur ein Paar und eine Besohlung konnten sie sich im Moment nicht leisten. Seine Mutter kontrollierte seine Sohlen jeden Abend wenn er heimkam. Und wehe, wenn sie etwas entdeckte, das auf Fußball schließen ließ …
„Lass ihn gehen, Lina!“, forderte sein Vater seine Mutter noch einmal auf. Resignierend, weil sie wieder einmal gegen die letzten Worte ihres Mannes verloren hatte, legte seine Mutter die Hände in den Schoß: „Aber sei pünktlich zurück!“
Sie seufzte. Josef hätte sie ruhig mehr unterstützen können, schließlich reichte das bisschen Geld, was er nach Hause brachte, kaum aus, um alle zu ernähren. Wenn Sepp jetzt auch noch seine Schuhe kaputtmachte … wovon sollten sie ihm denn dann neue Sohlen kaufen? Doch es nützte ja eh nichts. Josef hatte nun mal das letzte Wort, so wie es in einer anständigen Familie üblich war.
Lina nahm ihre Näharbeiten wieder auf. Damit war Sepp endlich entlassen und so schnell ihn seine Füße tragen konnten, verließ er die Enge der Wohn
ung.

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1897

Josef (Sepp) Herberger wird am 28. März um 9.45h in der Rue de France Nr. 171 in Mannheim-Waldhof geboren. Er ist nach drei Mädchen das vierte Kind seiner Eltern Josef und Lina Herberger.

1909

Im Alter von nur 53 Jahren stirbt der Vater an den Folgen einer Grippe. Da sich nach dessen Tod auch die wirtschaftliche Situation der Familie verschlechtert, ist Herberger gezwungen, die Bürgerschule zu verlassen, um auf die Volksschule zurück zu gehen. Nach dem Abschluss der Volksschule arbeitet Herberger auf dem Bau, später in der Firma Bopp & Reuther auf dem Waldhof.

1913

Herberger verlässt Bopp & Reuther und nimmt eine Stelle in der Warenausgabe eines metallverarbeitenden Großbetriebs an, in dem er später als Werkstattschreiber arbeitet.

1914

Erstes Fußballspiel in der Seniorenmannschaft des Sportvereins (SV) Waldhof. Am 28. Juni schafft der SV Waldhof den Aufstieg in die "Verbandsliga", die damals höchste Spielklasse. Der Kriegsbeginn führt jedoch zur Einstellung des Spielbetriebs.

1916-1918

Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg.

1919

Nach Kriegsende kehrt Herberger zurück auf den Waldhof. Er lernt Otto Nerz kennen.

Herberger als Spieler des SV Waldhof

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[Auszug aus "Sepp Herberger und das Wunder von Bern"]

Süddeutsche Sportzeitung 1920:
Herberger der glänzende und technisch gut geschulte Halblinke, verdient es, in einer repräsentativen Mannschaft berücksichtigt zu werden.

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1921

Erstes Spiel Herbergers für den SV Waldhof. Er tritt in der "Süddeutschen Auswahl" gegen Norddeutschland an. Er bestreitet auch die Begegnung zwischen Süddeutschland und Berlin, die mit 2:1 endet. Herberger landet den Siegertreffer.
Am 30. April heiratet er Eva Müller. Das frisch gebackene Ehepaar zieht zu den Eltern der Braut nach Weinheim.
Am 18. September spielt Herberger zum ersten Mal in der Nationalmannschaft gegen Finnland in Helsinki, bei der er zwei Tore erzielt. Die Partie endet 3:3. Auf der Reise nach Finnland lernt Herberger Felix Linnemann kennen.


Der Spieler Herberger in Aktion
Im Oktober wechselt Herberger zum Lokalrivalen VfR Mannheim. Im November erhält er auf Initiative eines Vereinsförderers eine Anstellung bei der Dresdner Bank in Mannheim.
Dezember: Herberger wird wegen Verstoßes gegen den Amateurparagraphen des Deutschen Fußball-Bundes das "Recht als Amateur" abgesprochen. Er wird für ein Jahr gesperrt.

1922

Ab Okotber steht Herberger wieder für den VfR Mannheim auf dem Rasen. Sein erstes Spiel gewinnt der VfR mit 1:0 durch ein Tor Herbergers.

1923

Das Ehepaar Herberger zieht in das Haus von Max Rath nach Mannheim.

1924

Herberger spielt zum ersten Mal nach seiner Sperre für die Nationalmannschaft gegen Italien in Duisburg.
Er bricht sich den Arm und wird in der zweiten Halbzeit ausgewechselt. Das Spiel wird mit 0:1 verloren.

1925

Der VfR Mannheim wird im Februar Süddeutscher Meister, Herberger erzielt das spielentscheidende Tor.


Das Ehepaar Herberger

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[Auszug aus "Sepp Herberger und das Wunder von Bern"]

Der Kicker 1925:
"Der beste Mann im Mannheimer Sturm war selbstverständlich Herberger. Seine Sturmführung war über alles Lob erhaben. Die Art, wie er von hinten kommende Bälle aus der Luft erfasste und mit großer Sicherheit weiterleitete, war großartig."

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März: Herberger spielt zum dritten und letzten Mal für die Nationalmannschaft gegen Holland in Amsterdam.
In Vertretung des kranken Otto Nerz leitet Herberger einen Trainerlehrgang an der "Hochschule für Leibesübungen" in Berlin. Daraufhin erhält er das Angebot, ein Studium dort aufzunehmen. Er beschließt, nach Berlin zu gehen.
Im Juli erhält Herberger ein Angebot von Hertha BSC Berlin, doch auf Vermittlung von Otto Nerz schließt er einen Vertrag mit Tennis Borussia. Felix Linnemann wird DFB-Präsident.

1926

Herberger erhält im August eine Anstellung beim Bankhaus Fürstenberg & Klocke in Berlin mit einem Monatsgehalt von 350.- Mark für die Dauer des Studiums.
Im September spielt Herberger zum letzten Mal für den VfR Mannheim und nur wenige Tage später zum ersten Mal für Tennis Borussia Berlin.

1927

Ab dem Wintersemester nimmt Herberger als ältester Student mit 30 Jahren ein Vollstudium an der "Hochschule für Leibesübungen" in Berlin auf. Er trainiert zugleich verschiedene Vereine. Otto Nerz wird zum Reichstrainer berufen.


Studenten der Hochschule für Leibesübungen in Berlin, Herberger 2. Reihe vorn, 8. v. rechts

1930

Herberger schließt sein Studium mit dem Sommersemester als Diplom-Sportlehrer und Jahrgangsbester ab, wofür er die "August-Bier-Plakette" erhält. In Uruguay findet die erste Fußball Weltmeisterschaft ohne Deutschland, Italien, Österreich und England statt. Uruguay wird Weltmeister.
Herberger wird für zwei Jahre Trainer von "Tennis Borussia Berlin".

1931

Herberger wird Trauzeuge bei der Hochzeit von Otto Nerz.

1932

Herberger wird Verbands-Sportlehrer beim "Westdeutschen Spielverband" in Duisburg. Er bekommt dafür 600.- Mark monatlich, eine für die damalige Zeit sehr hohe Summe.

1933

Deutschland bestreitet sein erstes Länderspiel gegen Frankreich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten.
Im April wird Hans von Tschammer und Osten zum "Reichssportkommissar" ernannt. Die Sportverbände werden aufgelöst. Der Fußballbund wird in den "Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen" als "Fachamt Fußball" eingegliedert.
Im Mai tritt Herberger der NSDAP bei. Am 22. Mai findet das erste Auswahlspiel des WSV nach der Machtübernahme statt. Als die Mannschaft den Hitlergruß zeigt, kommt es zu wütenden Protesten.
Otto Nerz tritt im Juni der SA bei.


Die Deutsche Nationalmannschaft mit dem Hitlergruß

1934

In Duisburg findet der erste Weltmeisterschaftslehrgang unter der Leitung von Otto Nerz mit Herberger als Assistent statt. Bei der zweiten WM in Italien (27.-05. - 07.06.) belegt die Deutsche Nationalmannschaft unter der Leitung von Otto Nerz einen überraschenden dritten Platz. Deutschland besiegt im Spiel um den dritten Platz Österreich mit 3:2.

1935

Herberger betreut zum ersten Mal selbständig die Deutsche B-Mannschaft, die in Sofia gegen Bulgarien spielt und mit 0:2 verliert. In der B-Mannschaft spielt erstmals auch Helmut Schön. 1935 bestreitet die Nationalmannschaft 17 Spiele - so viele wie noch nie zuvor. Nur drei Spiele gehen verloren, eines endet unentschieden.

1936

Otto Nerz wird an die "Reichsakademie" berufen, die als Nachfolgerin der "Hochschule für Leibesübungen" gegründet wird. Diese wurde 1935 aufgelöst.
Herberger leitet in Duisburg den Vorbereitungslehrgang für die Olympischen Spiele. Nerz taucht zwar nur sporadisch auf, doch dann betreibt er mit den Spielern ein hartes, auf Leichtathletik abgestelltes Training. Bei den Olympischen Spielen in Berlin besiegen die favorisierten Deutschen Luxemburg mit 9:0. Die Nationalmannschaft verliert gegen Norwegen 0:2. Ausgerechnet in Anwesenheit Hitlers scheidet die Deutsche Nationalelf aus - eine Katastrophe angesichts der Erwartungen der Goldmedaille. Italien wird Olympiasieger.
Im September führt Herberger zum ersten Mal die Nationalmannschaft als Verantwortlicher in einem Länderspiel gegen Polen in Warschau. Nerz wird an die Reichsakademie berufen, gleichzeitig wird Herberger zum "Reichstrainer des Fachamtes Fußball" verpflichtet. Die Kompetenzen bleiben vorerst bei Otto Nerz, der als "Referent der Nationalmannschaft" fungiert. Das erste Länderspiel als Alleinverantwortlicher Herbergers gegen Italien endet unentschieden (2:2).

Herberger leitet den Nachwuchslehrgang in Berlin 1940

1937

Im Mai besiegt die Nationalmannschaft Dänemark in Breslau mit 8:0. Dieses Spiel gilt als eines der besten, das eine deutsche Mannschaft je abgelegt hat. Diese Mannschaft geht als "Breslauelf" in die Fußballgeschichte ein.
Das Ehepaar Herberger zieht von Duisburg nach Berlin.

1938

Nach der Annexion Österreichs wird Herberger genötigt, aus seinem "Kernstück" der deutschen Ländermannschaft, die "Breslauelf", und der österreichischen Mannschaft eine Fusion vorzunehmen. Felix Linnemann teilt ihm den Beschluss der Reichssportführung mit.
Am 12. Mai tritt Otto Nerz zurück. Herberger ist nun offiziell Alleinverantwortlicher für die Nationalmannschaft.
Das erste WM-Spiel Deutschlands gegen die Schweiz endet unentschieden nach Verlängerung (1:1). Im Wiederholungsspiel verliert Deutschland mit 2:4 und scheidet aus dem Wettkampf aus. Die Italiener werden zum zweiten Mal Weltmeister.
Herberger lernt Fritz Walter bei einem Lehrgang kennen.

 

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[Auszug aus "Sepp Herberger und das Wunder von Bern"]

Sepp Herberger spürte ein aufgeregtes Kribbeln in der Magengrube. Er hatte selbst genügend Jahre als Spieler hinter sich und mittlerweile ausreichend Erfahrung als Trainer, um zu wissen, wer gut war. Aber eigentlich brauchte er das alles nicht - Fußballtalente hatte er schon erkannt, als er noch ein kleiner Junge war. Es war etwas Grundlegendes, fast schon eine Art von Besessenheit, die man entweder hatte oder nicht.
Der junge Spieler, den er gerade einer eingehenden Prüfung unterzog, war gutaussehehnd, doch ein wenig schmächtiger gebaut als die anderen, vielleicht 18 Jahre alt. Aber seine Art zu spielen war enorm kraftvoll und würde mit Training sicher noch weiter reifen.
Flink und wendig führte er den Ball, ließ sein Umfeld dabei nicht aus den Augen. Vorausschauend wie kein anderer hatte er das Spielfeld im Blick, wusste genau, wen er jetzt gerade anspielen sollte und wer Gefahr lief, von den gegnerischen Spielern eins zu eins gedeckt zu werden.
Er bestimmte den Verlauf des Spiels, legte Rhythmus und Strategie fest, obwohl die Mannschaft bunt durcheinander gewürfelt war und sie sich untereinander gerade mal drei Tage lang kannten. Natürlich war er noch ein Rohdiamant und schien selber noch nicht zu wissen, wie talentiert er war. Man merkte das an der schüchternen, unprätentiösen Art, wie er das Spielfeld betrat. Doch das würde sich ändern.
Aufgeregt kramte Sepp Herberger sein grünes, schon recht abgenutztes Notizbuch aus der Anzugtasche. Wie hieß der Bursche doch gleich? Er blätterte hastig, bis er den Namen fand.
"FW" stand da groß geschrieben. "FW" wie Fritz Walter.

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1939

Wegen dem Einmarsch der deutschen in Polen wird ein Länderspiel gegen Schweden abgesagt. Ein Länderspiel gegen Ungarn geht 1:5 verloren. Um über das Schicksal seiner Spieler am Laufenden zu bleiben, schickt Herberger ein Rundschreiben an die Heimatadressen aller Spieler, ihm ihre militärischen Einheiten mitzuteilen.
Von Tschammer und Osten erteilt Herberger alle Befugnisse und Vollmachten für die Nationalmannschaft. Damit ist zum ersten Mal ein Trainer der Nationalmannschaft unabhängig in seinen Entscheidungen.
Deutschland besiegt Italien in Berlin 5:2.

1940

Am 14. Juli erscheint Fritz Walter zum ersten Mal im Aufgebot.

1941

Fritz Walter bestreitet sein erstes Spiel in der Nationalmannschaft gegen Rumänien. Er erzielt drei Tore. Die Mannschaft gewinnt 9:3.
Das Länderspiel gegen Ungarn wird 7:0 gewonnen.
Am 20. April, ausgerechnet an Hitlers Geburtstag, verliert die Elf gegen die Schweiz.
Im Juli und August finden die Dreharbeiten zum Film "das große Spiel" statt. Herberger versucht alle Nationalspieler als Komparsen einzusetzen und dadurch von der Front fernzuhalten.

 

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[Auszug aus "Sepp Herberger und das Wunder von Bern"]

Die Nachricht über den beginnenden Russlandfeldzug hatte ihn ins Mark getroffen. Alle hatten bis dahin gehofft, der Krieg würde schnell zu Ende gehen. Dass Deutschland jetzt weiter Richtung Osten marschierte, konnte nur bedeuten, dass sich das Ende des Krieges auf unbestimmte Zeit verschob. Russland war zu groß, als dass es in ein paar Tagen besiegt werden konnte - hatten die da oben denn gar nicht daran gedacht? Und was würde geschehen, wenn das eintraf, woran keiner so richtig glauben konnte, dass Deutschland verlor? Würde er dann seine Spieler jemals wiedersehen?
Mit einer Handbewegung strich sich Sepp Herberger durchs Haar und versuchte sich damit innerlich zu disziplinieren, nicht mehr daran zu denken. Er würde es schon schaffen, seine Spieler zu retten, dessen war er sich sicher. Und er konnte ja auch allen Grund zur Hoffnung haben, denn wieder einmal war das Schicksal ihm hold gewesen.
Auf dem Weg zum Reichssportfeld war er zufällig dem SS-Obersturmbannführer Arthur Jensch begegnet. Das Treffen wäre ohne weitere Auswirkungen geblieben, hätte Jensch in seiner Eigenschaft als Angehöriger des Führungsstabs der Reichssportführung ihm nicht von den bevorstehenden Plänen des Oberkommandos der Wehrmacht erzählt, Europameisterschaften in den Wintersportarten auszutragen und dazu Wintersportler von der Front zurückzuholen.
Und genau in dem Moment, als Jensch dies aussprach, machte es "Klick" in Herbergers Kopf. "Zurückzuholen!" - dieses Wort hallte in seinen Ohren und löste nahezu eine Lawine an Emotionen aus, die er vorsorglich vor Jensch verbarg.
Hier war sie wieder, seine Chance.

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1942

25 Nationalspieler werden auf Initiative Herbergers von der Front vorübergehend zurückgeholt. Am 22. November findet das letzte Kriegs-Länderspiel gegen die Slowakei statt. Es ist der 100. Sieg der Nationalelf (5:2) seit 1908.

1943

Herberger reist zu Vereinen in ganz Deutschland, um ihnen bei der Sichtung der Spieler zu helfen und Lehrgänge zu organisieren.

1944

Die Wohnung Herbergers wird ausgebombt. Er verlässt Berlin und zieht nach Weinheim.

Nach der Einstellung des Länderspielbetriebes wird Herberger zur "Truppenbetreuung" in Dänemark und Schweden herangezogen. Am 25. September wird Herberger zur Wehrmacht eigezogen, doch aus gesundheitlichen Gründen wird er bereits nach wenigen Tagen wieder entlassen.


Herbergers Haus

1945

Herberger engagiert sich nach Kriegsende für den Aufbau einer Sporthochschule. Obwohl ab Mai 1945 offiziell kein deutscher Fußballbund mehr besteht, hält er den Kontakt mit den verbliebenen Nationalspielern aufrecht.

1946

Herberger lehnt Angebote verschiedener Vereine, als Trainer tätig zu werden, ab. Die Spruchkammer Weinheim stuft Herberger im Entnazifizierungsverfahren, dem sich alle bedeutenden Sportfunktionäre der NS-Zeit unterziehen müssen, als "Mitläufer" ein. Er wird zu einer Geldstrafe verurteilt, seinem beruflichen Wiederaufstieg steht damit von offizieller Seite nichts mehr im Wege.
Herberger wird Mitglied der Technischen Kommission des Westdeutschen Fußballverbands.

1947

Dozent an der neu gegründeten Sporthochschule Köln für das Fußballspiel. Außerdem übernimmt er die Trainerausbildung.

1948

Herberger wird Trauzeuge bei der Hochzeit von Fritz und Italia Walter.

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[Auszug aus "Sepp Herberger und das Wunder von Bern"]

Dann trat der Trauzeuge zu ihnen, um zu gratulieren. Auf Herbergers Gesicht war nichts zu lesen, was auf irgendeinen Misston schließen ließ. Herzlich gratulierte er beiden zur Eheschließung. Hätte man ihm die Wahl gelassen, er hätte seinem Schützling eine ganz andere Frau ausgesucht. Aber Italia tat ihrem Fritz eindeutig gut. Und was Fritz gut tat, war wiederum auch gut für den Trainer, zumindest indirekt.

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Das Brautpaar Walter vor dem Standesamt

1949

Am 26. Februar stirbt Otto Nerz im sowjetischen Internierungslager Sachsenhausen.
Oktober: Berufung Herbergers zum Bundestrainer durch den "Deutschen Fußball-Ausschuss"; ab diesem Zeitpunkt läuft offiziell der Wiederaufbau der Nationalmannschaft an.

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[Auszug aus "Sepp Herberger und das Wunder von Bern"]

Versammlung des neu gegründeten Deutschen Fussballausschusses 1949
Eine junge Frau näherte sich dem Versammlungsraum, aus dem schon von weitem laute, wutentbrannte Stimmen zu hören waren. Bevor sie anklopfte, zögerte sie noch einen Moment. Da drinnen ging es hoch her und sie wollte einen geeigneten Zeitpunkt abwarten, doch als sie feststellte, dass sich die Männer so richtig in Rage geredet hatten, entschloss sie sich, einfach ohne zu klopfen einzutreten. Vorsichtig öffnete sie die Tür.
"Ich sage Ihnen, dass ich so etwas noch nicht erlebt habe. Die ganze Zeit als Trainer ist mir so eine Unverschämtheit noch nicht passiert und das wird Konsequenzen haben!" Wütend fuchtelte Sepp Herberger mit seinem Zeigefinger umher. Seine zerzausten Haare ließen darauf schließen, dass diese Debatte schon seit Stunden im Gange war. Die aufgebrachten Männer, die alle um den runden Tisch saßen und sich wütend vorbeugten, um Herberger ordentlich Kontra zu geben, schienen allesamt keine Notiz von der Frau zu nehmen, die noch immer im Türrahmen stand und darauf wartete, dass die Herren für einen Augenblick ihre Streitigkeiten einstellten.
"Entschuldigung", unterbrach sie kurzerhand das Durcheinander. Jetzt erst blickten die Männer zur Tür.
"Ich soll hier Protokoll aufnehmen", erklärte sie höflich den verdutzten Gesichtern.
"Was für Protokoll? Das brauchen wir hier nicht", entgegnete Herberger ungehalten.
"Doch, eben schon", fiel ihm Hans Deckert, einer der Mitglieder des Ausschusses, ins Wort. "Ich habe die Dame gebeten, hier alles zu notieren. Kommen Sie rein, Fräulein und setzen Sie sich."
"Was soll das denn? Wenn die hier mitschreiben soll, ist sie reichlich spät dran. Gehen Sie mal besser wieder, Fräulein!", fuhr Herberger die Frau an, die sich bereits unsicher an den Tisch gesetzt hatte. Doch gerade als sie wieder aufstehen wollte, packte sie Deckert am Arm und zog sie hinab, sodass sie gezwungen war, sich unsanft wieder auf ihren Stuhl zu setzen.
"Eines sage ich Ihnen Herberger," begann Deckert wütend, "ich habe noch nie einen solch überheblichen Menschen wie Sie gesehen. Und ich finde, dass diese Dame genau im richtigen Moment hereinkam. Nämlich genau dann, als offenbar wurde, dass Sie sich den Anordnungen des Ausschusses widersetzen wollten und es nicht für nötig hielten, Ihre Pläne zur Durchführung eines Ausbildungsprogramms schriftlich darzulegen, so, wie es die anderen auch alle machen."
Wieder pflichteten die anderen Herren am Tisch Deckerts Ausführungen lautstark bei. Die Protokollführerin blickte sich unsicher um, doch die anschließenden Beschimpfungen, die auf Herberger niederprasselten, konnte sie unmöglich zu Protokoll nehmen.
"Stimmt. Gut, dass Sie da sind", wandte sich Herberger auf einmal an die Frau, die ihn jetzt fassungslos anblickte, "nehmen Sie zu Protokoll, dass ich bereits seit Kriegsende an einer fähigen Nationalmannschaft und am Wiederaufbau des Fußballs in Deutschland arbeite und dass ich mir einbilde, mehr vom Fußball zu verstehen als irgendjemand anderes auf Gottes Erdboden. Und deswegen ist es absolut lächerlich, dass ich mich schriftlich um den Posten als Nationaltrainer bewerben muss, so, wie es die Herren von mir verlangen. Noch dazu, wo meine Mitbewerber rein gar nichts von der Sache verstehen. Los, schreiben Sie!"

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1950

31. Januar: Nach Gründung des Deutschen Fußballbundes (DFB) in Stuttgart wird Herberger offiziell zum Bundestrainer ernannt.
Das erste Länderspiel nach Kriegsende findet im Stuttgarter Neckarstadion statt. Die deutsche Mannschaft gewinnt 1:0 gegen die Schweiz.

1951

Das Rückspiel gegen die Schweiz wird ebenfalls gewonnen (3:2), während das Länderspiel gegen die Türkei mit 1:2 verloren wird. Es hagelt heftige Kritik. Am 21. November gewinnt die Nationalelf gegen die Türkei mit 2:0.

1952

Am 15. Oktober verliert die deutsche Mannschaft gegen Frankreich in Paris mit 1:3. Herberger muss herbe Kritik einstecken. Aber auch die Spieler werden wegen Überalterung heftig kritisiert, allen voran Fritz Walter, der über seinen Rücktritt nachdenkt.
Im November siegt Deutschland 5:1 gegen die Schweiz und im Dezember 3:2 gegen Jugoslawien.

1953

Erstes Qualifikationsspiel zur WM gegen Norwegen in Oslo endet 1:1. Fritz Walter spielt vorbildlich. Trotzdem sind einzelne Spieler wieder heftiger Kritik ausgesetzt. Die Qualifikationsspiele gegen das Saarland und gegen Norwegen werden mit 3:0 und 5:1 gewonnen. Ungarn besiegt England mit 6:3 - ein historischer Sieg, bei dem Herberger anwesend ist.

1954

Am 28. März endet das letzte Qualifikationsspiel gegen das Saarland mit einem 3:1-Sieg. Damit hat sich Deutschland für die WM qualifiziert.
Vom 25. Mai bis zum 03. Juni findet in München-Grünwald der Vorbereitungslehrgang zur WM statt. Herberger benennt die 22 Spieler, die an der WM teilnehmen.
17. Juni: Erstes WM-Spiel gegen die Türkei endet mit 4:1-Sieg.
20. Juni: Deutschland verliert gegen Ungarn 3:8. Herberger setzt aus taktischen Gründen nur die Zweitbesetzung ein. Die Öffentlichkeit empört sich heftig.
23. Juni: Zweites und entscheidendes Spiel gegen die Türkei. Deutschland gewinnt 7:2 und erreicht das Viertelfinale.
27. Juni: Deutschland gewinnt 2:0 gegen Jugoslawien und zieht ins Halbfinale ein.
30. Juni: WM-Halbfinale gegen Österreich. Deutschland gewinnt 6:1 und zieht ins Finale ein.
4. Juli: Das Endspiel um die Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Ungarn in Bern gewinnt Deutschland mit 3:2, die deutsche Nationalmannschaft wird Fußballweltmeister.
Nach dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft finden im Herbst/Winter drei Länderspiele gegen Belgien, Frankreich und England statt, die alle verloren werden, woraufhin es erneut verheerende Kritik hagelt.
Einige Spieler der WM-Elf erkranken an Gelbsucht. Gerüchte über Doping entstehen. Bis 1956 werden 12 von 18 Länderspielen verloren gehen.

1957

Zu seinem 60. Geburtstag: Verleihung des "Goldenen Verdienstordens" des DFB, die höchste Auszeichnung, die der DFB zu vergeben hat.

1958

Bei der zweiten Weltmeisterschaft nach Kriegsende in Schweden wird Deutschland Vierter. Brasilien wird Weltmeister. Herberger und die Mannschaft werden mit Jubel in Hamburg empfangen.

1960

Deutschland gewinnt beide Qualifikationsspiele zur WM: gegen Nordirland mit 4:3 und gegen Griechenland mit 3:0.

1961

Auch die beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Nordirland und Griechenland werden jeweils mit 2:1 gewonnen.

1962

Herberger erhält zu seinem 65. Geburtstag das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.
Bei der WM scheidet Deutschland im Viertelfinale aus.

1964

Herberger tritt als Bundestrainer zurück. Insgesamt hat die deutsche Nationalmannschaft 167 Länderspiele unter Herbergers Leitung gespielt, von denen 94 gewonnen, 27 unentschieden und 46 verloren wurden.
Herberger wird zum Ehrenmitglied des DFB ernannt.

1966

Zum siebzigsten Geburtstag erhält Herberger das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik zum Verdienstorden.

1977

Am 21. Januar erleidet Herberger eine Herzattacke und muss ins Krankenhaus.
Am 28. März feiert Herberger seinen 80. Geburtstag im Mannheimer Schloss mit 300 Gästen. Die Bundespost bringt einen Sonderstempel heraus, eine Auszeichnung, die zu Lebzeiten nur den früheren Bundeskanzlern Adenauer und Brandt zuteil geworden ist.
Am 28. April stirbt Sepp Herberger an einem weiteren Herzanfall in Mannheim, nachdem er sich am Abend zuvor das Länderspiel Deutschland gegen Nordirland angesehen hat.

1989

Ev Herberger stirbt am 27. April. Damit überlebt sie ihren Mann fast auf den Tag genau um 11 Jahre.

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